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1. Sie kommen abends hundemüde von der Arbeit nach Hause und das Essen steht nicht auf dem Tisch, weil Ihre Partnerin sich beim Kaffeeklatsch verplauscht hat. Als alter Choleriker fangen Sie sofort an zu toben, Ihre Frau zerdeppert heulend das Sonntagsgeschirr auf Ihrem Kopf, während Sie ihr einziges Abendkleid zerfetzen. Ihre Gattin, nicht faul, stopft Ihren Nadelstreifenanzug in die Friteuse, was Sie dazu animiert, die Katze in der Mikrowelle zu garen, weil Sie von den Kindern keins erwischen konnten.

Zugegeben, das ist nur ein unbedeutender kleiner Ehekrach und am nächsten Tag schon wieder vergessen. Wenn sich solches Geplänkel aber häuft, steht am Ende womöglich doch noch die Scheidung.

Also nochmal: Sie kommen nach Hause und das Abendessen ist nicht fertig, Ihre Gattin hat sich bei ihrer besten Freundin einen netten Nachmittag gemacht und die Zeit vergessen. Sie spüren, wie in Ihnen langsam die Wut hochkriecht. Schlucken Sie sie wieder runter und sagen einfach was Nettes. Zum Beispiel: „Macht nix, der Fraß ist ja sowieso immer ungenießbar“ oder „geschieht der alten Schlampe recht, daß sie Dich den ganzen Nachmittag am Hals hatte“.

Ihre Frau wird Sie dankbar anlächeln, Ihnen wie gewohnt Ihre Pantoffeln bringen, vielleicht sogar noch ein Fläschchen Bier und dann stopfen Sie sich gemeinsam vor dem Fernseher mit fettigen Kartoffelchips voll.

2. Sie wollen Ihre monatliche Dusche nehmen und es sind Haare an der Seife. Sie können ja eine ganze Menge vertragen, aber Haare an der Seife sind das Letzte. Strafe muß sein, also verstecken Sie den Beauty-Koffer Ihrer Frau samt Spachtelmasse, Haarlack und Lippenschmotz. Unglücklicherweise ausgerechnet im Backofen neben dem Sonntagsbraten. Am nächsten Abend sind Sie beide bei Ihrem Chef eingeladen, der Sie mit den Worten empfängt: „Ihre Oma lassen Sie beim nächsten Mal aber zu Hause, mein Lieber“. Ihre Frau wird zuerst puterrot, dann aschfahl bis unter die Haarwurzeln, bis sie schließlich explodiert und Ihren Chef gezielt in eine extrem empfindliche Körperpartie tritt. Der wird nun seinerseits zuerst aschfahl, dann puterrot, und Sie können sich auf dem Nachhauseweg gleich eine Zeitung mit Stellenangeboten besorgen.

Also nochmal: Sie wollen duschen und entdecken Haare auf der Seife. Sie spüren, wie die Wut in Ihnen hochkriecht. Schlucken Sie sie wieder runter und versuchen einfach, die Angelegenheit positiv zu sehen. Was bedeuten denn Haare auf der Seife? Genau, daß sich Ihre Frau ab und zu wäscht. Und nicht nur das, sie hält sogar die Kinder halbwegs sauber (sofern das überhaupt möglich ist). Denken Sie daran, daß es auch für Ihre Frau nicht immer ganz leicht ist, Ihre kleinen Eigenheiten zu ertragen. Zum Beispiel die Angewohnheit, beim gemeinsamen Fernsehen Ihre Schuhe auszuziehen, die Füße mit den 14 Tage alten Socken auf den Tisch zu packen und den mörderischen Gestank auf die Käsekräcker zu schieben. Oder daß Sie ihr Ihre bedenklich bräunliche Unterhose ins Gesicht drücken, mit den Worten: „Liebling, riech mal, kann ich die noch einmal anziehen?“

3. Sie haben sich beim Pinkeln mal wieder nicht hingesetzt und nun schwimmt das ganze Klo. Leider können Sie den Putzlappen nicht finden und behelfen sich kurzerhand mit einem frischgewaschenen Nachthemd Ihrer Frau, das Sie nach Bereinigung der Bescherung im Garten zum Trocknen zu der Wäsche auf die Leine hängen. Kurz darauf will Ihre Angetraute einer Nachbarin anhand der aufgehängten Wäsche die tolle Wirkung ihres neuen Waschmittels vorführen. Die Nachbarin sieht das Nachthemd und sagt trocken: „Ich habe gelesen, daß Bettnässen oft auf ein unbefriedigtes Sexleben zurückzuführen ist.“ Ihre Frau wird puterrot und aschfahl (wie gehabt), danach stopft sie der Nachbarin das Nachthemd ins Maul, was ihr eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung einbringt.

Was hätten Sie besser machen können? Sie haben recht, natürlich setzt sich ein richtiger Mann beim Pinkeln nicht hin, soviel steht fest. Selbstverständlich kann man nach dem dritten Bier auch nicht mehr so hundertprozentig genau zielen. Aber völlig verkehrt ist es, zur Beseitigung der Sauerei Mutterns Nachtgewand zu benutzen. Nehmen Sie in solchen Fällen die Jeans vom Sohnemann und kein Mensch wird Sie verdächtigen. Sofern es überhaupt jemandem auffällt. Falls Sie in der Eile nix Passendes im Kleiderschrank Ihrer Kinder finden, tuts eventuell auch die Katze. Damit Ihre Frau nichts merkt, stecken Sie das Tier anschließend kurz in die Waschmaschine.

4.Sie haben beim Waschen der Katze versehentlich den Weichspüler vergessen, das Vieh gibt jetzt komische Laute von sich und sieht aus wie ein Stachelschwein. Ihre Frau ist dementsprechend sauer auf Sie und zieht sich samt Stachelschwein schmollend ins Schlafgemach zurück. Nicht ohne vorher festzustellen, daß sie den ehelichen Pflichten heute nicht nachzukommen gedenkt. Sie schmollen nun Ihrerseits und gehen in die Kneipe, um den Arger mit ein paar Schnäpsen herunterzuspülen. Leider haben Sie vergessen, den Kindern ihr Schlafmittel zu verabreichen. Die nutzen die Gelegenheit, um fernzusehen. Zu diesem Zeitpunkt läuft gerade eine Informationssendung in deren Verlauf Ausschnitte aus dem Kinofilm „Apollo 13“ gezeigt werden, was die Phantasie der kleinen Ungeheuer zu Höchstleistungen treibt. Ihrem Wellensittich Peterle wird die Ehre zuteil, den Astronauten-Anwärter zu mimen. Den Fliehkraft-Test in der Wäscheschleuder besteht er mit Bravour, von geringfügigen Gleichgewichtsstörungen abgesehen. Den Schwerelosigkeits-Test kann man nur schwer simulieren: Peterle wird mit Klebeband umwickelt und zehnmal in die Luft geworfen. Auch diesen Test meistert der angehende Raumfahrer hervorragend, nur beim Ablösen des Klebebandes gibt es kleinere Probleme. Die restlichen Federn fallen dem Hitzetest im Grill zum Opfer, weswegen der Testpilot lautstark protestiert. Als Sie nach Hause kommen, findet gerade das Staatsbegräbnis mit allen militärischen Ehren statt. Der Astronaut hatte leider den Kältetest in der Tiefkühltruhe nicht mehr gepackt, wohl wegen der fehlenden Federn.

Was haben Sie diesmal falsch gemacht? Fahren Sie in solchen Fällen die Kinder zu den Schwiegereltern. Dann liegt hinterher deren Goldfisch in der Kiste und Ihr Sittich ist aus dem Schneider. Danach kratzen Sie ganz zerknirscht an der Schlafzimmertür und schmeicheln sich bei Ihrer Frau mit dem Versprechen ein, sich künftig zweimal die Woche die Zähne zu putzen. Das wird die Gute zu Tränen rühren. Nutzen Sie ihre vorübergehende Schwäche für eine liebevolle Umarmung, aber ziehen Sie vorher ein frisches Hemd an und vergessen Sie Mundwasser und Deodorant nicht!

5.Sie sind zu Besuch bei den Schwiegereltern. Weil die Gören seit dem Goldfischmord dort Hausverbot haben, mußten Sie die Brut zu Hause in den Kleiderschrank sperren. Das Stachelschwein hat Ihre Frau mitgenommen. Schwiegervater ist nämlich Tierpräparator und soll jetzt versuchen, das Fell wieder flauschig zu kriegen. Sie haben sich zur Feier des Tages ein frisches Hemd geleistet, selbst Socken und Unterwäsche sind erst wenige Tage in Gebrauch. Ihre Frau ist gutgelaunt, nur die Schwiegereltern sind noch etwas reserviert. Neben dem Goldfisch hatten die Rangen noch den Fernseher, zwei Stühle, die Glasvitrine im Wohnzimmer und Schwiegervaters Bohrmaschine erledigt. Besonders Schwiegermutter ist ein wenig nachtragend in solchen Dingen.

Sie erhalten den Auftrag, das Stachelschwein während der Operation festzuhalten. Nachdem verschiedene Mittelchen nicht den gewünschten Erfolg bringen, schlägt der Präparator vor, die Stacheln einfach abzurasieren. Der Rasierapparat erweist sich als zu wenig widerstandsfähig, weswegen Schwiegerpapa beschließt, die nagelneue elektrische Heckenschere einzusetzen. Ihre Frau ist von der Idee nicht begeistert, die Katze strikt dagegen. Sie schlägt die Zähne in Ihren Daumen, zieht die Krallen einmal quer über Schwiegervaters Gesicht, der sägt Schwiegermutters Lieblings-Yuccapalme um, während Sie die Katze loslassen, weil Sie eine Ohnmacht nahen fühlen. Daß das wildgewordene Borstenvieh noch eine chinesische Vase, neun von zehn Sammeltassen und das Aquarium (in dem der neue Goldfisch sein ziemlich kurzes Dasein fristet) zu Bruch gehen läßt, bevor es das rettende Fenster erreicht, kriegen Sie schon nicht mehr mit. Als Sie wieder zu sich kommen liegen Sie auf dem Rasen vor dem Haus, neben Ihnen hockt Schwiegervater und guckt etwas bedröppelt. Sie erfahren von ihm, daß Ihre Frau zu ihrer tödlich beleidigten Mutter gezogen ist, die ihrerseits Schwiegervater vor die Tür gesetzt hat.

Was haben Sie diesmal falschgemacht? Gar nichts. Das ganze Chaos ist eindeutig auf Höhere Gewalt zurückzuführen. Nehmen Sie Schwiegervater mit in Ihre Wohnung, lassen Sie die Gören im Schrank und warten Sie ab. Bestimmt legt sich der Zorn Ihrer Frau irgendwann. Zeit heilt ja bekanntlich alle Wunden. Warum nicht auch Ihre und die von Schwiegervater?