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So, Guten Tag, meine Damen und Herren. Kraftfahrer Georg Harthölter und seine Crew begrüßen Sie herzlich an Bord der Linie 3 auf unserer Fahrt zum Hauptbahnhof. Der Kässbohrer Setra LongLine verfügt über 4 Notausgänge, die mit einem Hämmerchen gekennzeichnet sind. Unter Ihrem Sitz finden Sie Kaugummirest, leere Coladosen und gebrauchte Papiertaschentücher. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt an Bord.

Reporter:

Nach dem Zusammenbruch der Fluglinie StenkelAir ist es dem hiesigen Arbeitsamt gelungen, sämtliche Mitarbeiter der Gesellschaft hier im örtlichen Personennahverkehr unterzubringen. Ich stehe im Moment hier neben Georg Harthölter, er war noch bis vor wenigen Tagen auf der Transatlantikroute nach New York unterwegs, bedient jetzt nach seiner Umschulung die Strecke Blömkerallee-Hauptbahnhof in der Buslinie 3. Herr Harthölter, wie kommen Sie mit dieser Umstellung zurecht?

Harthölter:

Äh, naja, teils-teils, äh, zum einen gibt es natürlich Erleichterungen, das beginnt schon damit, dass das Fahrwerk im Grunde ständigen Bodenkontakt hat, äh, hier in anderthalb Metern Höhe haben wir auch meist gute Sicht, wenig Turbulenzen und im Gegensatz zur Nordatlantikpassage ist die Zeitumstellung zwischen Blömkerallee und Hauptbahnhof erfreulich klein.

Reporter:

Äh, äh, ja, das leuchtete ein, Herr Harthölter, wie ist es aber nun mit …

Halthölter:

So, äh, einen Moment mal jetzt: ja, ich darf Sie noch einmal herzlich begrüßen hier an Bord der Linie 3. Mein Name ist Georg Harthölter, ich bin Ihr Fahrer auf dieser Strecke. Wir haben soeben die Haltestelle Blömkerallee mit Kurs auf den Hauptbahnhof verlassen und werden in wenigen Sekunden unsere Reisegeschwindigkeit von 51 Stundenkilometern erreichen. Das Wetter am Hauptbahnhof recht erfreulich, es herrscht dort eine geringe Bewölkung bei 17 Grad und gute Sicht, die Windgeschwindigkeit am Boden beträgt um die 8 Knoten aus Südwest. Unsere voraussichtliche Fahrzeit wird 6 Minuten betragen.

Reporter:

gibt es denn auch negative Veränderungen an Ihrem neuen Arbeitsplatz?

Harthölter:

Oh ja, hier braucht’s eine wesentlich höhere Konzentration, denken Sie allein an den Gegenverkehr, der einem auf dieser Strecke wesentlich näher kommt als etwa auf der Irischen See oder vor Neufundland, äh, dazu kommt ein recht problematischer Funkverkehr, der hier auf Plattdeutsch abgewickelt wird und schwer zu verstehen ist, aber so viel habe ich inzwischen mitbekommen: „Ick wulliwat mit Landeklappen“, heißt wohl soviel wie „Fahren Sie bitte nicht IN, sondern AN das nächste Wartehäuschen.“

Reporter:

Äh, ja, nun gab es je schon teilweise Irritationen unter Berufspendlern und Schulkindern, weil …

Harthölter:

Moment, Moment, die Pflicht ruft: So, meine Damen und Herren, aus der Fahrerkabine noch ein paar Informationen für Sie, wir habe gerade den Bölterkamp durchquert; auf der Backbordseite gut zu erkennen das Kieswerk, linker Hand wird gleich das Textilhaus Hörmeyer in Sicht kommen, wir nehmen dann Kurs auf den Önkelstieg, streifen östlich die Schmöllerheide, passieren die Kreuzung Sögelweg/Sottruper Landstraße und werden dann in einer weiten Linkskurve über den Schmöllerdamm den Hauptbahnhof erreichen. Sollten Sie an unserem Vielfahrerprogramm „Bahnhof und zurück“ teilnehmen, werden Ihnen für diese Stecke 4 Bonuskilometer gutgeschrieben.

Reporter:

Äh, was ich fragen wollt, es gab Irritationen unter den Passagieren, die Ihren Fahrstil als etwas unaufmerksam monierten…

Harthölter:

Na, also, das ist ja nun wirklich ’ne Umstellung: Das Fahrzeug hier nennt sich Autobus, aber die Technik ist ja offensichtlich noch nicht so ausgereift wie etwa beim Autopiloten, äh, wennst du dir nur mal ein Kaffee einschenkst oder dir nur mal kurz auf’m gang die Beine vertrittst, läuft das Ding hier sofort ausm Kurs, schrammt am Rinnstein oder knallt sonstwo gegen, also das nervt schon a bissel. So, nun sind wir fast am Ziel, gell?

Reporter:

Äh, ja.

Harthölter:

Meine Damen und Herren, hier spricht noch einmal Ihr Kapitän, wir verlassen nun unsere Reisegeschwindigkeit und beginnen mit der Anfahrt auf die Haltestelle am Hauptbahnhof. Wir bitten Sie, noch so lange auf den Plätzen zu bleiben beziehungsweise sich festzuhalten, bis der Bus seine endgültige Parkposition erreicht hat. Georg Harthölter und seine Crew möchten sich schon jetzt von Ihnen verabschieden; wir bedanken uns, dass Sie mit der Linie 3 gefahren sind und wüschen Ihnen noch einen angenehmen und erholsamen Aufenthalt am Hauptbahnhof.

Reporter:

In diesem Moment checkt Georg Harthölter noch einmal den Rückspiegel, er setzt den Blinker steuerbordseitig, ja, der Bus rollt butterweich in die Haltestelle und kommt jetzt etwas ruckartig zu stehen [Klatschen], und damit geben wir zurück ins Funkhaus.