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Folgender Text wurde auf einem Zettel auf der Lehrertoilette eines Gymnasiums gefunden!

Liebe Frau Professor ****!

Ich habe ihren Namen bewusst zensuriert, da sie, falls sie die sind, die ich meine, sich ohnehin sofort angesprochen fühlen werden! Ich lasse ihnen eine Meldung auf diese ungewöhnliche Art zukommen, weil ich wirklich keine andere Chance auf dieser Erde sehe, als selbige, die ich soeben nütze, um mit ihnen in Kontakt zu treten! Da ich ja lange nicht mehr die Ehre hatte, ihren Unterricht genießen zu dürfen, muss ich ihnen eben auf diesem Wege gestehen, dass meine Tage trist zu werden drohen, da ihr strahlender Sonnenschein sich nun nicht mehr tagtäglich auf mein Antlitz ergießt! Wie soll ich es ertragen, ohne ihre vertraute Stimme im Ohr die Wegen des Alltages zu beschreiben? Oh, wie tränenreich sind doch die Momente, wenn ich an Freuden wie das deliziöse Chilli – essen oder die delikate französische Konversation zurückdenke! Ach hätte ich nur dieses putzige Haustier, dessen Name so dem ihrigen ähnelt, ich würde es ihnen sofort per Post zusenden und somit zum Geschenk machen! Obgleich es dann wohl in sehr fragwürdigen Zustand ankommen würde, also kommt es wohl doch nicht in Frage! Jeden zweiten Tag pilgere ich zum Haus vis – a vis der Stephanskirche, (weil auch dessen Name dem ihrigen so ähnelt) und gönne mir dort einige sentimental – süße tränenreiche Stunden der Trauer und des – ich gebe es offen zu – Selbstmitleides! Nie werde ich einen ernsthaften Beruf zu ergreifen vermögen, da mir bei allem, woran ich mich versuche, nur das Abbild ihres Antlitzes vor Augen schwebt, was mich jedesmal aufs neue einem Tränenausbruch ausliefert. Besonders wenn mir historische Fakten zu Ohren kommen, oder ich meine Bekannten aus Frankreich parlieren höre, oder – schlimmstenfalls – wenn meine Verwandten aus Frankreich über Historisches parlieren, schwinden mir vor Schmerz beinahe die Sinne und ich breche vor Verzweiflung beinahe hernieder, da ich es nicht ertrage, Fakten, die mit Ihrer lieblichen Stimme so bezaubernd dargebracht wurden, nun schnöde und profan hören zu müssen!

Ich hoffe, sie wissen nun endlich, was Ihre Existenz für mein Leben bedeutet und wie glücklich ich vielleicht jetzt schon wäre, wenn ich Sie nie kennengelernt hätte!